Ein Fest der Begegnung
Der Frieden des dreieinig liebenden Gottes sei mit euch allen!
Ein Fest der Begegnung feiern wir heute. So benennen die Ostkirchen diesen Festtag: die Begegnung des Herrn!
Von einer besonderen Begegnung haben wir gerade im Evangelium gehört. Jesus wird als Kind von den Eltern in den Tempel gebracht, damit die jüdischen Rituale für einen erstgeborenen Sohn vollzogen werden. Jede Erstgeburt bei Menschen und beim Vieh gehört seit dem Auszug aus Ägypten in besonderer Weise Gott. So muss der erste Sohn ausgelöst werden. Ein Zeichen dafür, dass Kinder eine Gabe, ein Geschenk Gottes sind. Sie sind unermesslich wertvoll für Gott und für uns.
Dabei begegnet Jesus seinem Volk Israel und seiner Religion dem Judentum in den beiden Repräsen-tant:innen Simeon und Hannah, die in besonderer Weise über viele Jahre für ihren Glauben eingestanden sind und ihn gelebt haben.
In dieser Begegnung wird deutlich: Jesus war und ist Jude und ist es auch sein Leben lang geblieben. Seine Eltern und er halten sich an die Regeln, Gesetze und Vorschriften ihrer Religion.
Die heutige Erzählung aus dem Evangelium ist der zweite Teil der Weihnachtsgeschichte. Den ersten kennen wir ja gut noch vom Heiligen Abend. Die Hirten sind die ersten, denen Jesus verkündet und vorgestellt wird. Sie sind die ersten die Jesus finden und kennenlernen. Jesus begegnet den Einfachen und Armen in den Hirten.
Im zweiten Teil begegnet das Kind, das Hoffnungskind, der Sohn Gottes den altgewordenen Frommen, den Glaubenden und Hoffenden mit langem Atem. Das Leben erfüllt sich für sie in der Begegnung mit diesem Kind, wie Simeon singt und Hanna Gott dafür preist. Eine Begegnung über Generationen hinweg. Darum ist dieser Tag auch ein Festtag für Eltern und Großeltern. Die Eltern der Firmlinge werden heute – wie schon die letzten Jahre – einen besonderen Gebetsgottesdienst für ihre Kinder online feiern.
Dieses Fest der Begegnung kann uns ermutigen, uns auf neue Begegnungen einzulassen.
Letzten Sonntag haben wir anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christ:innen einen ökumenischen Gottesdienst bewusst am Sonntag gefeiert und von der evangelischen Pfarrerin und Universitätslehrerin Dorothea Haspelmath-Finatti eine wunderbare Predigt gehört, einen Aufruf zum gemeinsamen Lob Gottes im Beten des Glaubensbekenntnisses.
Am Valentinstag laden wir herzlich alle Liebenden ein zu einem gemeinsamen, ökumenischen Segensgottesdienst. Alle Liebende meint, dass Menschen mit unterschiedlichster sexueller Orientierung eingeladen sind über alle Altersgrenzen hinweg. Nicht nur Paare sind eingeladen, sondern auch Menschen, die alleinstehend die Liebe leben. Anschließend gibt es die Eröffnung der Ausstellung „Verschaffe mir Recht“. In dieser Ausstellung werden 10 queere Persönlichkeiten vorgestellt, die aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung von unserer Katholischen Kirche vieles zu erleiden hatten. Die Auseinander-setzung mit diesem Thema ist ein pastoraler Schwerpunkt unseres Pfarrverbandrates, der bewusst die Begegnung mit Menschen sucht, die anders lieben. Ihnen wollen wir signalisieren, dass sie in unseren beiden Pfarren genauso wie alle anderen herzlich willkommen sind.
Jesus ist sich nicht zu gut, immer wieder Grenzen seiner Tradition und Religion zu überschreiten um die Zuwendung Gottes zu allen sichtbar zu machen. Lassen wir uns ermutigen, eine Begegnungskultur in unserem heutigen Umfeld zu entwickeln, die vielen zeigt:
Jesus ist das Licht der Welt. Er schenkt Orientierung. Er kommt immer neu auf uns zu. Feiern wir dieses Fest der Begegnung heute und auch in den Begegnungen im Alltag. AMEN!