„Prüfet alles und behaltet das Gute!“
Die Jahresüberprüfung des Autos ist für mich immer eine Zitterpartie.
Und dieses Jahr hat es nicht gleich geklappt,
ich habe mich ein bisschen geärgert, nicht weil ich wusste, ich muss finanziell investieren, Auto fängt halt mit „AU“ an, auch weil es zusätzliche Rennerei und Termine damit verbunden waren
aber eigentlich bin ich froh, dass die Autos auf unseren Straßen regelmäßig geprüft werden.
Denn es gibt einen ausgebildeten Prüfer,
der eine Checkliste hat
und der sogar für das Ergebnis haftet.
In unserem Leben ist es da schon etwas schwieriger:
Für die Prüfung der Dinge und Meinungen,
die mir begegnen,
aber auch für die Prüfung meiner Entscheidungen und Handlungen bin ich selbst zuständig.
Das ist oft gar nicht so einfach,
aber gleichzeitig ist es doch großartig,
dass ich das selbst machen darf.
Die Jahreslosung 2025 fordert uns auf,
nicht darauf zu warten, dass Gott uns prüft,
sondern wir sollen uns selbst prüfen.
Es wird uns zugetraut
wir können selbst entscheiden, was „Gut“ ist.
Mir gefällt das:
Gott will erwachsene, mündige Menschen, keine Untertanen.
Uns allen wird das zugetraut – was für eine Zumutung
In der heutigen hochdifferenzierten Gesellschaft haben wir so viele Möglichkeiten und noch mehr Angebote,
wie wir unser Leben gestalten können.
Jeden Tag treffen wir dafür Entscheidungen.
Was essen wir heute?
Passt das Hemd zu der Hose?
Welcher Partei würde ich heute meine Stimme geben?
Wir können entscheiden, was wir für uns wollen,
was uns guttut.
Aber bei der Sache mit Gott – da wissen wir nicht so richtig. Was kann man heute noch glauben?
Und brauchen wir dafür eine Kirche?
prüft alles, Das jeweils Gute, das ihr darin findet, behaltet.
Aber so einfach ist es doch nicht. Schön wär’s ja, wenn das so leicht ginge, wie im Märchen:
die Guten in Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.
Was ich gut finde, müssen andere nicht auch gut finden.
Beim Prüfen haben wir eine Checkliste:
Das Gebot der Liebe –
du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Also drei Prüfkriterien: GOTT-DU-ICH,
alle drei sollen geliebt werden:
unsere Prüfung ist also nicht beliebig,
sondern wir sollen unser Leben und unsere Gewohnheiten immer wieder darauf prüfen,
ob auch die anderen gut damit leben können.
Nicht ob es ihnen gefällt – das ist etwas anderes
Oder ob jemand unter meinen Entscheidungen leidet.
Was nur mir nützt, ist nicht gut,
sondern gut ist, was allen nützt.
Wie beim Pickerl gibt’s natürlich auch Werkzeuge:
unser Herz UND unseren Verstand.
Und auch das Ziel beim Pickerl und der Lebensprüfung ist ähnlich:
es geht nicht um eine Bevormundung
oder eine Zwangsmaßnahme,
sondern Ziel ist es, dass wir alle sicher auf den Straßen sind und jeder gut und zufrieden leben kann.
Die Jahreslosung beginnt mit „Prüfet“
Das ist Plural
miteinander ins Gespräch kommen, nicht nur über das,
was wir heute essen wollen usw.
sondern um herauszufinden, was gut ist und gut tut.
Die Jahreslosung ist eine Aufforderung,
demokratische Spielregeln einzuüben.
Es geht nicht darum, dass eine Mehrheitsmeinung siegt, sondern dass wir jeweils im Gespräch miteinander bleiben, dass wir lernen, einander zu berücksichtigen.
Diese kurze Aufforderung steht aber bei Paulus nicht allein. Der ganze Abschnitt lautet:
„Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass,
seid dankbar in allen Dingen, das ist der Wille Gottes für euch. Lasst seinen Geist unter euch wirken.
Prüft alle und behaltet das Gute“.
so wird es klarer.
Fröhlich sein und beten –eine gute Grundlage für das gemeinsame prüfen,
was ist gut für unsere Gemeinde, für unsere Stadt, unser Land – und auch für mich ganz persönlich.
An einer Stelle ist es im Leben dann aber doch anders als beim Pickerl und der Jahresüberprüfung:
die Haftung liegt nicht beim Prüfer, also bei mir,
sondern bei mangelhafter Überprüfung und Fehlern übernimmt Gott die Haftung.
und sagt mir Vergebung zu.
Gott ist nicht der Richter, der uns verurteilt,
sondern der liebende Gott zu dem wir kommen können, wenn wir Fehler gemacht haben.
Und Gott hat uns seinen Geist gegeben,
damit wir unseren Verstand gebrauchen,
um zu unterscheiden, was gut ist und was nicht.
Und aus dem Unterscheiden folgt das Tun.
Wo Gutes getan wird, wird kein Böses getan.
Bei aller Unsicherheit, mit der wir in die Zukunft blicken – lasst uns bei allem, was geschieht und was als Neues auf uns zukommt im Geiste Jesu Christi entscheiden,
wofür wir uns engagieren werden.