Losungen - Gottes Wort für jeden Tag
“Vertrau und habe keine Angst, was dich auch schrecken will! Die Schuld und Not, vor der du bangst, wird an der Krippe still.” (BG 206,3)
Diese Liedzeilen aus einem Liederbuch der Herrnhuter Brüdergemeine haben mich berührt, als ich in die Losungen für 2025 hineingelesen habe, die ich - wie schon in den letzten Jahren - von unserem evangelischen Pfarrer Fritz Eckhardt zum Jahreswechsel geschenkt bekommen habe.
Einige von Ihnen haben den ökumenischen Gottesdienst zu Silvester in der Christuskirche mitgefeiert, in dem der Fokus der Predigt auf dem Motto der Losungen 2025 lag, Sie erinnern sich: “Prüft alles und behaltet das Gute!” Für unsere evangelischen Mitchrist*innen eine Selbstverständlichkeit, für uns Katholik*innen eher nicht so vertraut. Seit 1731 gibt es die Losungen in gedruckter Form. Es gibt für jeden Tag im Jahr eine Stelle aus dem Ersten Testament, die tatsächlich gelost wird, daher der Name. Dazu passend sucht eine Kommission einen neutestamentlichen Bibelvers aus, sowie ein Gebet, einen bekenntnisartigen Text oder einen Auszug aus einem Lied. Herausgegeben werden die Losungen von der Herrnhuter Brüdergemeine, die 1722 unter der Leitung von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf in Herrnhut (Sachsen) ins Leben gerufen wurde. Ein zentrales Merkmal der Herrnhuter Brüdergemeine ist ihre weltweite Missionsarbeit. Die Zinzendorfgasse in Graz ist nach ihm benannt, wo er ab 1710 studierte. Das Ziel der Losungen ist es, mithilfe eines Bibeltextes einen spirituellen Impuls für jeden Tag im Jahr zu bieten. Wenn wir sie kontinuierlich lesen, ist es möglich, das Erste Testament, bzw. wesentliche Teile davon, in 8 Jahren durchzulesen und das Zweite Testament in einem Zeitraum von 4 Jahren.
Es kommt hier nicht auf Zahlenspielereien oder Rechenexperimente an, sondern es geht um den Dialog, um das Innehalten beim Wort. Dieser zieht sich heute durch vom Eröffnungslied, über die Lesung aus dem Buch Sirach, dem Antwortpsalm, und in besonderer Weise dem Evangelium. Wir kommen dem Geheimnis von Weihnachten noch einmal ganz nahe im Lob der Weisheit, die ihren Wohnsitz in Jerusalem findet und im Zweiten Testament immer wieder mit dem Logos, dem Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, gleichgesetzt wird. Besonders Verse aus Psalm 147 haben mich berührt, wo es heißt, dass Gott den Grenzen Jerusalems Frieden verschafft. Und dann dieser wunderbare Prolog aus dem Johannesevangelium, der uns am Christtag verkündet wurde. Beim Schreiben dieser Predigt stelle ich mir einige vielleicht fragende Gesichter vor. Vieles ist unverständlich, was in der Bibel steht. Da stimme ich zu, und dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass die Bibel für uns alle geschrieben ist. Ich sehe diese Offenbarung Gottes an uns als Einladung, es immer wieder so wie Gott zu machen: Bleiben wir im Gespräch, stellen wir unsere Fragen, teilen wir unsere Zweifel, hören wir unserem Gegenüber zu, ohne gleich zu urteilen. Worte haben eine unglaublich große Wirkkraft, setzen wir sie zum Wohl unserer Mitmenschen ein. Bleiben wir nicht stehen bei unseren eigenen Unsicherheiten, wagen wir den Austausch mit jenen, die uns nahe sind oder auch mit den Fremden. Beim Sternsingen in den letzten Tagen hatte ich viele Begegnungen, immer mehr Menschen kennen die Tradition nicht. Nehmen wir uns die Zeit, zu erklären, warum es uns wichtig ist, fremde Menschen zu besuchen und ihnen den Segen zu bringen. Öffnen wir uns und lassen uns beschenken, zum Beispiel mit dem großartigen Geschenk der Ökumene. Bereits zum dritten Mal war der evangelisch-methodistische Pfarrer Frank Moritz-Jauk in Schutzengel sternsingen. Heuer ist er dazu extra aus Bregenz angereist, und wir konnten Fritz Eckhardt dazu begeistern, dass die Ökumene beim Sternsingen breiter wird. Einfach ein Geschenk, das klarmacht, dass wir unseren Fokus auf das legen, was wir gemeinsam haben und nicht auf das, was uns trennt. Und so lade ich ein, auch nach der Weihnachtszeit, also ab übernächstem Montag, dranzubleiben. Es heißt so schön, dass man sich “im Wort” ist. Geben wir dem als Christ*innen eine neue Bedeutung, versuchen wir aus dem Wort zu leben, das uns geschenkt ist. Dann kann auch Wirklichkeit werden, wie es in dem Liedtext heißt: “Vertrau und habe keine Angst, was dich auch schrecken will! Die Schuld und Not, vor der du bangst, wird an der Krippe still.” Gehen wir vertrauensvoll am Beginn des Jahres auf alles zu, was uns zugemutet wird im Vertrauen auf den Beistand, der uns geschenkt ist. Werden wir still und geben wir dem Wort den Raum, den es verdient. Amen.