Wir sind Kinder Gottes
Heute am Fest der Heiligen Familie wurde ich eingeladen, einige Gedanken über Familie mit Ihnen zu teilen.
Bevor ich beginne, möchte ich Sie fragen: Was bedeutet für Sie Familie? Wie erleben Sie Familie? Wer ist für Sie Familie? Was ist für Sie Familie?
Bestimmt kommen Ihnen ganz unterschiedliche Gedanken. Ich muss gestehen, dass mein erster Gedanke der Wäscheberg war, der täglich anfällt. Und es ist ja richtig, Familie ist tägliche Arbeit in vielerlei Hinsicht.
Aber ich beginne heute damit, dass ich mich kurz vorstellen möchte:
Mein Name ist Andrea Suppan, ich bin die Ehefrau von Bernd und die Mama von Maxi, Ani und Matilda. Außerdem bin ich die Tochter von Josef und Marianne, die Schwester von Stefan, Bernadette, Michael, Maria Theresia, Valentin und Raphaela, die Schwiegertochter von Hannelore und Günter, die Enkelin (ab jetzt verschone ich Sie mit den Namen), die Nichte, die Kusine, die Schwägerin, die Tante, mittlerweile auch schon die Großtante, die Gstaudenschwester (so haben meine Freundinnen und ich uns genannt, als wir gemeinsam musizierten) und weil ich am Land aufgewachsen bin, und da auch manche Nachbarn so gut wie zur Familie gehören, weil sie täglich vorbeischauen, bin ich auch noch die Nachbarin und Freundin.
Wie Sie sehen können, Familie ist für mich groß! Und das hat mich geprägt und zu der Person gemacht, die ich bin. Ich habe von meiner großen Familie viel gelernt, wurde behütet, gemeinsam haben wir viel Schönes, aber auch Schweres erlebt. Wir haben gemeinsam gelacht und geweint. Es wurde gestritten, und wir haben uns versöhnt. Viele Verwandten wohnten in der Nähe und so haben wir uns oft gesehen. Wenn wir uns nicht so getroffen haben, sind wir uns am Sonntag in der Kirche begegnet. Bei einer großen Familie kann man sich vorstellen, dass nicht immer nur Harmonie herrschte, und dass es viele Herausforderungen zu bewältigen gab. Mittlerweile wohnen viele Verwandte nicht mehr in der Nähe und manche habe ich schon lange nicht mehr gesehen, aber mit allen fühle ich mich verbunden.
Seit ich selbst Kinder habe, bin ich vor allem Mama. Und als Mama beruhigt es mich, dass Maria zu Jesus sagt: „Kind, warum hast du uns das angetan?“ Solche oder ähnliche Situationen gibt es wohl in jeder Familie. Nicht immer hat man gleiche Meinungen und Vorstellungen, und es kommt zu Diskussionen. Und da finde ich es immer schön, wenn nach einiger Zeit dann ein „Aber Mama, wir sind doch Freunde!“ oder ein „Wir haben uns aber doch lieb, oder?“ kommt.
Mit zwei ganz konkreten Situationen in unserer Familie möchte ich Ihnen kurz schildern, was für mich Familie ist.
Als meine jüngste Tochter geboren wurde, war sie sehr müde und bewegte sich kaum. Alle waren aufgeregt und rätselten, was mit ihr sein könnte. Als Mama ist man ja sowieso nur voll Liebe für das Kind, und ich wollte sie nur halten und drücken, aber auch ich ließ mich verunsichern. Da sagte mein Mann: „Matilda hat sich uns als Eltern ausgesucht. Sie hat es nicht verdient, dass wir traurig sind. Freu dich, dass sie da ist und heiße sie willkommen, so wie sie ist, aber nicht mit so einem verweinten Gesicht!“ Das hat mich wachgerüttelt! Am Nachmittag kamen dann die großen Geschwister, die damals auch noch sehr klein waren, und Maxi meinte: „Mama, Matilda ist so süß. Sie ist so schön wie eine Prinzessin!“ Ich war überwältigt. Diese tiefe, unvoreingenommene und uneingeschränkte Zuneigung und Liebe - das ist Familie.
Auch bei der zweiten Erzählung geht es um Matilda. Es unser kleines Weihnachtswunder, das wir vor vier Jahren erleben durften. Matilda wurde in Wien an der Wirbelsäule operiert. Es war eine lange und komplizierte Operation und niemand wusste, wie die Operation ausgehen würde. Zum Glück ist alles gut verlaufen. Von ihren Cousinen und Cousins bekam sie damals diese Herzen, um ihr Mut zu machen und ihr zu zeigen, wie lieb sie alle haben. So viele Menschen haben an sie gedacht und für sie gebetet und ihr und uns Kraft gegeben.
Diese Herzen zeigen uns ganz deutlich, was Familie ist: Auch wenn wir nicht bei dir sein können, mit den Herzen sind wir bei dir!
Und abschließend möchte ich noch sagen, dass ich so froh bin, ein Kind Gottes sein zu dürfen und darauf vertrauen zu können, dass ich Hilfe erfahre, wenn ich mit meiner kleinen Familie in Not bin.