Du bist das Wort
Vor einiger Zeit hatten wir unser Maturaklassentreffen – das wievielte erwähn´ ich jetzt nicht - bei dem der Brief unsres Klassenvorstandes, den er an jede/n von uns zum Abschluss vorbereitet hat, zur Sprache kam. Da einige den Brief nicht mehr fanden, freute wir uns sehr, als eine ehemalige Mitschülerin ihn uns ein paar Tage später zukommen ließ.
Ich fing an zu lesen „Seid phantasievoll“.., – „achtet auf eure Worte, achtet, was ihr den Worten antut, was man jemanden mit Worten antun kann, ein Wort kann wie ein Messer sein, aber auch wie eine gute Hand.“
Ein paar weise Gedanken, die er uns mit auf den Weg geben wollte und wie passend zum heutigen Evangelium und meinen Gedanken dazu.
Den ganzen Tag nehmen wir viele Worte in den Mund.. Mit unseren Worten, drücken wir unsere Gedanken, Gefühle und Vorstellungen aus. Sie sind verbindend, sie können ehrlich oder falsch gemeint sein. Worte haben Macht, Beziehungen zu stärken, aber auch zu zerstören. Schon ein einziges Wort kann Gutes oder Schlechtes bewirken.
„Im Anfang war das Wort, es war bei Gott, das Wort war Gott“, war die Einleitung im Evangelium. Das Wort als Verbindung Gottes mit seiner Schöpfung. Wie die Schöpfung ist das Wort das einzig Wahre und Beständige, Weise und Mächtige.
„Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ hieß es weiter.
Wie sollen wir das verstehen?
Dieses Wunder, dieses göttliche Geheimnis, das im Stall in Betlehem geschehen ist, ist auch rational schwer zu erklären. Gott sendet seinen Sohn Jesus, das menschgewordenes Wort, als kleines Kind in die Welt. Er wird einer von uns.
Der Zauber dieser Nacht erfüllt den Stall und alle Menschen, was für eine unglaubliche Freude.
Engeln verkünden es: Jesus der Retter ist geboren!
Wenn wir uns an die 1.Lesung heute erinnern, verkünden Freudenboten das Kommen eines Erlösers, der Frieden bringt und dessen Heil sich über die ganze Welt verbreitet.
Gott liebt uns so sehr, dass er seinen Sohn sendet, um allen Menschen Hoffnung, Frieden und Freude zu schenken. Um dieses Geheimnis zu begreifen, es wahrhaftig glauben zu können, müssen wir unsere Herzen öffnen. „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, das bekannte Zitat, aus dem kleinen Prinzen, drückt genau das aus.
Jesu Worte erreichten die Herzen der Menschen und stillten Sehnsüchte. Jesus Worte waren tröstend, heilend, ermutigend, liebevoll und manchmal auch bestimmend.
Wenn wir heute zur Krippe, zum Stall von Bethlehem kommen, zu dem uns das Weihnachtsfest jedes Jahr führt, fragen wir uns dann selbst, ob wir in dieser lauten und hektischen Welt das Kind noch wahrhaftig sehen? Ist unser Herz bereit für das Weihnachtsfest?
Besinnen wir uns dabei auch, wie wir in im täglichen Leben mit unseren Worten umgehen?
Wann und wem haben wir zuletzt ein liebevolles Wort geschenkt? Wann haben wir mit einem Wort jemanden zu tiefst gekränkt? Wie achtsam haben wir Worte gewählt, wenn wir über jemanden gesprochen haben? Wann wäre es besser gewesen, wortlos zu bleiben?
Das kleine Kind im Stall - ist Gottes größtes und wunderbarstes Geschenk. Jesus unser Retter und Friedensfürst, der die Menschen auf eine neue, andere Weise berührt, nicht laut, nicht mit List und Gewalt, sondern mit Fürsorge, Anteilnahme und Liebe.
Jesus zeigt uns, dass es nicht auf das Äußere, auf Macht und Geld. ankommt, sondern auf die innere Haltung.
In einer Welt voller Äußerlichkeiten bedeutet das für uns, innezuhalten, auf unser Herz zu hören, Zeit zu schenken, auf etwas verzichten, zuzuhören, was der oder die mir zu sagen hat.
Es bedeutet auch, ein Wort des Trostes zu haben für die Menschen an Rande der Gesellschaft, den Armen und Hilfesuchenden, die Jesu besonders am Herzen lagen.
Ein Wort des Mutes und Zuspruchs für Menschen, denen wir wegen ihres Aussehens und Einstellung aus dem Weg gehen.
Jesus bestärkt uns zu seiner Nachfolge, uns aktiv umzuschauen, wo wir im Kleinen, in der Familie, in unserem Umfeld, Beziehungen erneuern können, wo Hilfe gebraucht wird.
Jedes Jahr zu Weihnachten feiern wir, dass Gottes überwältigende Liebe zu uns Lassen wir uns von dieser Frohen Botschaft ermutigen, unsere Ängste loszulassen, so wie Maria und Josef, sich auf Gottes Wort und Zusage einzulassen und seinem Plan zu vertrauen.
Jesus lädt uns ein, aufzubrechen, seine Botschaft der Liebe weiter zu erzählen und Zeugnis abzulegen wie Johannes.
Bitten wir darum, dass wir zu solchen Menschen werden.
Zu Menschen, die wie die Hirten, den Menschen heute das Wunder dieser Nacht weitersagen,
zu Menschen, die wie Maria, Gottes Wort vertrauen und ja dazu sagen,
zu Menschen, die wie Josef, die richtigen und auch fürsorglichen Worte finden.
zu Menschen, die sich irren dürfen und die den Mut nicht verlieren, sich immer wieder neu auf Gottes Wort darauf einlassen.
Das Weihnachtsfest hat die Geschichte geprägt und berührt uns jedes Jahr aufs Neue. Gottes Wort ist mitten in unser Leben gekommen, öffnen wir unsere Herzen und Augen für die vielen Zeichen, die er uns täglich hinterlässt und trauen wir uns sein Wort in die Tat umzusetzen, damit es auch in unserem Leben sichtbar wird. Amen