Predigt
Umkehrweg mit Hinweistafeln
Wie bereits in der Advent- und Weihnachtszeit, wollen wir an den Sonntagen der Fastenzeit jeweils ein Lied aus dem Gotteslob als Grundlage für unsere Predigten heranziehen.
Heute wurden wir mit dem Lied: „Bekehre uns, vergib die Sünde“ auf diese Heilige Messe eingestimmt. Die Antiphon „Attende domine – Merk auf, o Herr“, wurde in Frankreich im 17. Jahrhundert mit der uns heute bekannten Melodie vertont. Der uns bekannte Text wurde vor rund 50 Jahren verfasst und ist keine Übersetzung des lateinischen Textes der uns als bittende Büßer zeigt, sondern möchte uns einen Weg aufzeigen, wie wir dem Reich Gottes bereits hier auf Erden ein Stück näherkommen möchte. Das Lied gibt uns drei wesentliche Hinweistafeln, wie wir das gut schaffen können.
1. Hinweistafel – Stehenbleiben und hören
In der ersten Strophe erfahren wir warum Gott seinen Sohn auf die Erde schickt. Jesus soll uns vor dem Bösen retten und uns den Weg zum Vater zeigen. Die zweite und dritte Strophe führt uns zum letzten Satz aus dem heutigen Abschnitt des Markusevangeliums, das wir heute gehört haben. „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Das sind zwei Aufforderungen: umkehren und hinhören.
Wenn man sich mit dem Auto von einem Navigationssystem durch eine unbekannte Stadt leiten lässt, kann es schon einmal passieren, dass die nette Stimme sagt: „Kehren Sie wenn möglich um!“. Jetzt habe ich zwei Optionen. Bei der nächsten Gelegenheit umzudrehen oder die Warnung ignorieren und solange weiterfahren, bis das Navi eine neue Route errechnet hat. Auf das Lied und das Evangelium bezogen möchte mir dieses Beispiel vom Navi sagen, dass ich ein offenes Ohr und Vertrauen auf die Stimme Jesu brauche, um mein Ziel sicher zu erreichen. Dazu ist es gut stehenzubleiben, mein Leben zu betrachten und es im Licht des Wortes Gottes auszurichten.
2. Hinweistafel – Aufstehen und gehen
Die vierte Strophe möchte uns Mut machen und sagen, dass wir nicht bei Null beginnen müssen, sondern, dass durch die Taufe bereits vieles in uns grundgelegt ist und wir auf das Wirken des Heiligen Geistes vertrauen können. Ganz konkret werden wir in der fünften Strophe aufgefordert, nicht in der Betrachtung auf den bereits gegangenen Weg zu verharren und stehenzubleiben, sondern aufzustehen und hinauszugehen und Hoffnung zu verbreiten. Wie es im ersten Petrusbrief (1 Petr 3,15) heißt, jedem Rede und Antwort zu geben, der nach der Hoffnung fragt die dich erfüllt. Dazu brauche ich kein Theologiestudium um Freude und Hoffnung dort zu verbreiten wo ich lebe. Ob in der Familie, in der Schule oder am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder im Supermarkt, überall kann und soll ich mein Christsein leben ohne, dass ich mir ein Schild umhängen muss, dass ich Christin, Christ bin.
3. Hinweistafel – Anleitung zum Gutsein
In der sechsten Strophe bekommen wir ein Werkzeug für unseren weiteren Lebensweg. Es ist die Aufforderung Gutes zu tun, den Unterdrückten zu helfen und Frieden zu stiften. Die globale Welt ist ein Dorfplatz. Da können wir uns nicht zurücklehnen und sagen, was kümmern mich die Probleme eines anderen Landes. Jeder Beitrag, egal ob materiell oder ideell, und ist er auch noch so klein, ist zumindest ein Tropfen auf dem heißen Stein. 2,3 Milliarden Menschen dieser Welt sind Christen, da prasselt schon ein ordentlicher Regen nieder. Bleiben wir nicht nur bei der Vision, sondern gehen wir immer wieder kleine Schritte auf diese zu.
Die Fastenzeit soll wieder für jede und jeden von uns Ansporn sein, das eigene Leben und damit auch das Leben der Anderen menschlicher zu machen, damit das Reich Gottes hier und jetzt bereits sichtbar wird.
Nehmen Sie dazu die genannten drei Hinweistafeln mit in diese Fastenzeit:
1. Stehenbleiben und hören
2. Aufstehen und gehen
3. Anleitung zum Gutsein
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit